Wirkstoff von Antibabypillen macht Kampffische friedlich

beach-1236581_640

Ethinylestradiol, der Hauptwirkstoff der Antibabypille, könnte in viel größerem Umfang auf den menschlichen Stoffwechsel einwirken, als bisher bekannt ist.

Wie die amerikanische Wissenschaftlerin Olivia Hebert und ihre Kollegen durch einen Versuch jetzt belegen, verändert Ethinylestradiol das Verhalten von Siamesischen Kamffischen (Betta splendens). Diesen setzten sie Atrappen der eigenen Artgenossen vor, auf welche die Fische ausgesprochen friedlich reagierten.

Normalerweise reagieren Siamesische Kampffische auf Artgenossen mit Aggressionen, was bis zum Tod eines Kontrahenten führen kann. Unter dem Einfluss des Antibabypillenhormons, was dem Wasser zugegeben wurde, zeigte sich, dass die zu den Labyrinthfischen gehörenden Fische friedlich werden. Die Aggressionen ließen drastisch nach, aber auch auf andere Verhaltensweisen hatte der Stoff Auswirkungen. Die Ergebnisse des Versuchs veröffentlichten die Verhaltensforscher in der Fachzeitschrift Animal Behaviour.

Das zur Empfängnisverhütung verwendete Ethinylestradiol wird nach der Einnahme mit dem Urin ausgeschieden und gelangt so in die Umwelt. Auch im Trinkwasser ist der Stoff in geringen Mengen enthalten, da Hormone und Arzneimittelrückstände durch die Wasserversorger nicht herausgefiltert werden. Der Wirkstoff ist weltweit in allen Gewässern verbreitet und in verschieden starken Konzentrationen nachweisbar.

Bereits im Jahr 2012 haben Mitarbeiter vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei nachgewiesen, dass der Wirkstoff das Paarungsverhalten von Amphibien stark beeinträchtigt. Schon in geringen Konzentrationen nahm das Balzverhalten des Krallenfrosches (Xenopus laevis) drastisch ab, so dass die Weibchen schnell das Interesse an den Männchen verloren. Die Wissenschaftler vermuten in der Belastung durch das Antibabypillenhormon einen Grund für das weltweite Amphibiensterben.

Ob und wie weit der Wirkstoff auch Einfluss auf den Menschen hat, ist bisher noch nicht ausreichend untersucht worden. Bisher wird angenommen, dass die im Trinkwasser vorhandenen Konzentrationen zu gering sind.

Continue Reading